Die Chroniken des Leukbachs – Folge 2: Der Schlüssel mit der Zahl 18
Romanserie · Folge 2 · 14. September 2026
Meta-Beschreibung: Nach dem geheimnisvollen Anruf verfolgt Roman die Spur des Schlüssels mit der Zahl 18 von Oberleuken nach Borg. Dort wartet eine unerwartete Nachricht.
Hinweis: Die folgende Handlung ist frei erfunden. Reale Orte und sachliche Hintergründe werden am Ende getrennt erläutert.
Kurzer Rückblick
Roman fand am Leukbach einen Holzkasten mit einer Karte, einem Heft von 1893 und einem Schlüssel mit der Zahl 18. Ein anonymer Anrufer warnte ihn davor, den Schlüssel nach Borg zu bringen. Dann knackte hinter ihm ein Zweig.
Der Schlüssel mit der Zahl 18
Roman drehte sich ruckartig um. Zwischen den niedrigen Büschen am Rand des Weges bewegte sich etwas. Er hielt den Holzkasten fest und wartete.
Ein brauner Hund sprang aus dem Gebüsch, blieb kurz vor ihm stehen und schüttelte Wasser aus seinem Fell. Wenige Augenblicke später erschien sein Besitzer, grüßte knapp und ging weiter in Richtung Oberleuken. Roman atmete aus. Für einen Moment hatte er geglaubt, der unbekannte Anrufer sei ihm gefolgt.
Doch das Gefühl, beobachtet zu werden, blieb.
Zu Hause breitete Roman den Inhalt des Kastens auf dem Tisch aus. Die Metallscheibe legte er neben den Schlüssel. Beide bestanden offenbar aus einem ähnlich dunklen Material. Auf der Scheibe kreuzten sich drei Linien. Auf dem Schlüssel stand nur die Zahl 18.
Roman öffnete die Fotos des alten Heftes auf seinem Bildschirm. Die Handschrift war schwer zu lesen, aber einzelne Wörter wiederholten sich: „Borg“, „Mühle“, „Wasser“ und immer wieder „achtzehn“. Auf einer Seite entdeckte er eine kleine Zeichnung. Sie zeigte ein rechteckiges Fach mit einer runden Öffnung. Darunter stand: „Nicht öffnen, bevor der Bach schweigt.“
Er dachte an den Satz auf der Karte: „Mühle – vor dem ersten Glockenschlag.“ Vielleicht war die Zahl keine Jahreszahl und keine Hausnummer, sondern bezeichnete ein Fach, eine Schublade oder ein Schließfach.
Roman rief Alain an.
„Ich muss dir etwas zeigen“, sagte er.
„Worum geht es?“
„Um deinen Namen in einem Heft von 1893.“
Am anderen Ende blieb es still.
„Das ist nicht besonders lustig“, sagte Alain schließlich.
„Es ist auch nicht als Witz gemeint.“
Sie verabredeten sich in Borg. Roman packte das Heft, die Karte und die Scheibe ein. Den Schlüssel steckte er getrennt in seine Hosentasche. Die Warnung des Anrufers ging ihm nicht aus dem Kopf, aber gerade deshalb wollte er wissen, was sie bedeutete.
Auf dem Weg nach Borg betrachtete er die Landschaft nun anders. Felder, Straßen und Wege wirkten vertraut, doch die dunkle Linie auf der alten Karte lag wie eine zweite, unsichtbare Strecke darunter. Sie verband den Bach mit dem Dorf und führte von dort weiter nach Saarburg.
Alain wartete bereits. Roman erzählte vom Fund, vom Telefonanruf und vom Namen auf dem Papierstreifen. Alain nahm den Streifen, hielt ihn ans Licht und schüttelte den Kopf.
„Die Schrift sieht nicht so alt aus wie die im Heft“, sagte er.
Roman betrachtete das Papier genauer. Alain hatte recht. Die Buchstaben waren sauberer, die Tinte dunkler. Der Name musste später in den Kasten gelegt worden sein.
„Dann hat jemand gewusst, dass ich dich anrufen würde“, sagte Roman.
„Oder jemand wollte genau das erreichen.“
Sie legten die Karte auf einen Tisch. Alain fuhr mit dem Finger über die eingezeichnete Strecke. An der Stelle von Borg war ein winziges Quadrat zu erkennen, das Roman zuvor übersehen hatte. Daneben standen zwei Zeichen: ein Buchstabe, vielleicht ein B, und die Zahl 18.
„Also doch Borg“, sagte Roman.
Alain drehte den Schlüssel zwischen den Fingern. „Und wenn die Warnung ernst gemeint war?“
„Dann weiß der Anrufer mehr als wir.“
Sie gingen die Möglichkeiten durch. Ein modernes Schließfach schied aus; der Schlüssel wirkte älter. Eine Tür kam infrage, ebenso ein Schrank oder eine Kassette. Doch ohne weiteren Hinweis konnten sie in Borg nicht wahllos nach einer Nummer 18 suchen.
Da fiel Roman die runde Vertiefung am Holzkasten ein. Er setzte die Metallscheibe erneut hinein und drückte sie leicht nach unten. Wieder klickte es. Diesmal öffnete sich nicht der Deckel, sondern eine schmale Seitenwand.
Dahinter lag ein zweiter Papierstreifen.
Auf ihm stand: „Borg ist nur der Spiegel. Der Schlüssel gehört zur Mühle.“
Alain nahm die alte Karte und hielt sie gegen das Fenster. Im durchscheinenden Licht erschienen blasse Linien, die vorher unsichtbar gewesen waren. Sie liefen nicht von Borg nach Saarburg, sondern in umgekehrter Richtung: vom gezeichneten Kreis bei Saarburg zurück zum Leukbach.
„Vielleicht lesen wir die Karte falsch herum“, sagte er.
In diesem Augenblick vibrierte Romans Telefon. Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer war eingegangen. Sie enthielt kein Wort, nur ein Foto.
Darauf war eine hölzerne Tür zu sehen. Über dem Schloss hing ein verblichenes Schild mit der Zahl 18. Im unteren Bildrand schäumte Wasser über dunkle Steine.
Roman vergrößerte die Aufnahme. In der spiegelnden Fensterscheibe der Tür war die Silhouette des Fotografen zu erkennen.
Die Person trug Romans Jacke.
Sachlicher Hintergrund
Oberleuken, Borg, der Leukbach und Saarburg sind reale Orte der Region. Die Leuk prägt in Saarburg das Stadtbild und ist historisch mit Wasserkraft und Mühlen verbunden. Der Holzkasten, die Karte, der Schlüssel, die Tür mit der Zahl 18, der anonyme Anruf und alle geschilderten Handlungen sind frei erfunden. „Alain“ ist in dieser Serie eine fiktive Romanfigur; die Handlung behauptet nichts über eine reale Person gleichen Namens.
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Vorherige Folge: Das Zeichen im Wasser
Ausgangsartikel: Der Leukbach – vom Quellgebiet bei Borg bis zur Saarburg
Fortsetzung folgt: Wer fotografierte die Tür mit der Zahl 18 – und warum trägt die Spiegelung Romans Jacke?
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